Windräder halten nicht ewig, was für jede Industrieanlage gilt. Man muss sich daher rechtzeitig Gedanken darüber machen, was man bei einem Rückbau mit dem Material anfängt.
Die Epochtimes greift das Thema in einem Artikel mit dem Titel „Rückbau in großem Umfang: Spanien soll 7.500 Windkraftanlagen abbauen“. Den Inhalt wird man nicht in jedem Fall zu Gesicht bekommen, weil man sich dazu meist anmelden oder die Publikation kostenpflichtig abonnieren muss.
Bild Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Windkraftanlage,_Viertelfl%C3%BCgel.JPG
Viele Leser werden also nur auf die Überschrift des Artikels stoßen, der einigen Raum für Interpretationen bietet. In „soll Windkraftanlagen abbauen“ kann das „soll“ etwa für eine Aufforderung von Regierung, Kommune oder Gericht stehen, also als Anweisung. Oder es handelt sich um eine Futur-Form im Sinne von „Spanien baut bald 7.500 Windkraftanlagen ab“ oder „muss bald abbauen“. Wer muss die Anlagen abbauen? Spanien. Ganz Spanien? Die Regierung aufgrund einer höheren Weisung, beispielsweise von der EU? Oder sind es die Betreiber, die Anlagen abbauen müssen?
Gemeint ist wahrscheinlich etwas wie „Betreiber in Spanien beginnen mit dem Abbau von veralteten Windkraftanlagen“. Der Teaser-Text des Artikels präzisiert die Überschrift:
„Der Zahn der Zeit nagt auch an Windkraftanlagen. Laut einer Prognose des spanischen Windenergieverbandes stehen mehr als ein Drittel aller laufenden Windräder vor ihrem baldigen Ende. Das zieht Probleme nach sich.“
Der Artikel ist größtenteils sachlich gehalten. 85 Prozent der abgebauten Windkraftanlagen lassen sich recyclen (Stahl, Kupfer, Elektronik und Generatoren). Ein Problem stellen die Rotorblätter dar, die aus faserverstärkte Verbundwerkstoffen gefertigt sind. „Nur wenige Deponien nehmen diese überhaupt an“, heißt es in der Epochtimes, was zweifellos richtig ist.
Was man mit den alten Rotorblättern anfangen kann, beschreibt der Artikel „Recyclingideen für Rotorblätter„. Bisher schon wird der Abfall in Zementwerken verbrannt, man kann aber auch Fußbodenbeläge daraus herstellen.
Die Hersteller sind sich des Problems offenbar bewusst und in Zukunft wird es Rotorblätter geben, die sich besser recyclen lassen (Siehe „Zweites Leben für Rotorblätter„).
Fazit: Ist es ein Problem, dass sich 15 Prozent des Abfalls abgerissener Windräder nur schwer recylen lassen? Ja, ist es. Dafür muss man bessere Lösungen finden. In Zukunft wird das Problem jedoch durch Rotorblätter reduziert, die sich besser wiederverwerten lassen. Wie sieht es mit dem Recycling von Kohle-, Gas- oder Atom-Kraftwerken oder anderen Industrieanlagen aus? Wahrscheinlich auch nicht besonders gut. Im Vergleich zum Rückbau von Atomkraftwerken, bei denen viel radioaktiver Müll endgelagert werden muss, fällt die Ökobilanz bei Windkrafträdern wohl deutlich besser aus. Für eine Skandalisierung taugt das Thema jedenfalls nicht.







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