Das ARD-Magazin Plusminus befasst sich mit Impfnebenwirkungen. Die gibt es ganz offensichtlich und Menschen leiden darunter. Wie Plusminus das Thema behandelt ist journalistisch jedoch mehr als fragwürdig.
(Bild: Copyright holder Tim Reckmann. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Corona_Impfung_%2850744984271%29.jpg, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)
Der Plusminus-Beitrag vom 29.06.2022 trägt den Titel „Impfnebenwirkungen – Warum Betroffene viele Behandlungen selbst bezahlen müssen“. Darunter heißt es:
„Sie sind selten, aber es gibt sie: Impfnebenwirkungen. Betroffene mit besonders schweren Symptomen schildern in letzter Zeit ihren Irrweg von Arzt zu Arzt. Viele Untersuchungen und Therapien müssen sie dabei aus eigener Tasche bezahlen.“
Geschildert wird der Fall von Torben (27), der nach der Coronaimpfung unter einer Autoimmunreaktion und Herzerkrankung litt. Die Therapiekosten musste er laut Plusminus selbst finanzieren. Als Beleg wird die Rechnung für eine Hämodialyse (Blutwäsche) über mehr als 12.000 Euro angeführt. Hier stellt sich die erste Frage: Aufgrund welcher Diagnose erschien eine Hämodialyse sinnvoll, die sonst (nur) bei Nierenerkrankungen zum Einsatz kommt?
Weiter heißt es: „Er konsultiert Fachärzte, besucht verschiedene Krankenhäuser. Immer wird die Impfung als Ursache ausgeschlossen.“ Als ein Ultraschall des Herzens ohne Befund bleibt, wird ihm eine Psychotherapie empfohlen. Erst ein MRT des Herzens, das er selbst bezahlen muss, zeigt dann Funktionseinschränkungen des Herzens, die wahrscheinlich die Folge einer Herzmuskelentzündung nach der Impfung sind. Dann wird ausgeführt: „Dass Ärzte diese Nebenwirkungen oft nicht erkennen, liegt auch an der unzureichenden Forschung.“
Letztlich wird Torben in Marburg behandelt, wo eine Autoimmunreaktion nach Impfung gegen SARS CoV2 diagnostiziert und ein Zustand nach Immunadsorption festgestellt wird. Das bringt etwas Klarheit. Bei Torben wurde keine Hämodialyse sondern eine Immunadsorption durchgeführt. Hat diese zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands beigetragen? Man weiß es nicht.
Soweit die Leidensgeschichte, die ich unvoreingenommen glaube. Aber auch wenn die Ursache der Erkrankung einen Impfreaktion war, hat das nichts mit dem Weg zur Diagnose zu tun. Wenn ein junger Mann über Herzschmerzen und reduzierte Leistungsfähigkeit klagt, dann sollte die mögliche Ursache keine Rolle spielen. Schließlich kann die Myokarditis auch bei jungen Menschen gerne nach Infektionen auftreten, sie ist aber nicht immer ganz leicht zu diagnostizieren. Torbens Arzt hat also offenbar die Symptome nicht ernst genommen und den Fall nach einer unauffälligen Ultraschalluntersuchung zu den Akten gelegt. Gibt es eine spezielle Diagnostik, die bei einer durch die Impfung verursachte Myokarditis zu besseren Ergebnissen kommt? Nein, das ist nicht bekannt.
Wenn der Arzt über den möglichen Zusammenhang von SARS-CoV2-Impfung und Myokarditis in seltenen Fällen besser informiert gewesen wäre, hätte er den Patienten dann sorgfältiger untersucht? Wohl kaum. Wo liegt jetzt also genau der Zusammenhang zwischen Erkrankung als Impffolge, mangelnder Erforschung von Impffolgen, fehlende Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse, Diagnose und Therapie? Das kann der Plusminus-Beitrag weder erklären noch aufklären.
Der Plusminus-Beitrag ist daher tendenziös und unsauber recherchiert, mit der Absicht, sich die Aufmerksamkeit eines bestimmten Publikums zu sichern. Er stellt das individuelle Leiden eines Betroffenen in den Mittelpunkt, dessen Krankheit weder korrekt diagnostiziert noch behandelt wird und der auch noch die Therapiekosten selbst tragen muss. Ob es sich tatsächlich um eine Erkrankung als Folge der Impfung handelt oder nicht spielt keine Rolle. Es wäre doch eher die Frage, warum der erste behandelnde Arzt nach dem Ultraschall zur Abklärung kein MRT empfohlen hat? Warum wurde die Immunadsorption nicht von der Krankenkasse bezahlt? Aus bösem Willen oder weil die Therapie in diesem Fall als wirkungslos einzustufen ist? Man weiß es nicht. Der Plusminus-Beitrag will sich damit nicht beschäftigen.
Zu Problematisieren wären außerdem der Begriff „Impfnebenwirkungen“. Unter einer Nebenwirkung versteht man beispielsweise eine allergische Reaktion auf einen der Bestandteile des Impfstoffs. In den geschilderten Fällen handelt es sich um eine Impfreaktion, die der Erkrankung mit Covid-19 ähnelt. Hätte Torben sich mit Covor-19 infiziert, wären diese Symptome wahrscheinlich auch aufgetreten, möglicherweise sogar noch schlimmer. Aber letztlich hilft das dem Patienten nicht wirklich weiter und es kann nur Vermutungen geben.
Man kann daher nur hoffen, dass Ärzte gründlich untersuchen und diagnostizieren – ob die Ursache eine Covid-Infektion, Covid-Impfung oder etwas ganz anderes ist.








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