Ich rieche, rieche Menschenfleisch. Aber wie schmeckt es? SWR3 veröffentlicht auf Instagram am 29.06.2022 einen Beitrag mit dem Titel „Ein Veganer Burger, der nach Menschenfleisch schmecken soll, wurde mit zwei Preisen für besondere Kreativität ausgezeichnet.“ Worum geht es da? Burger? Vegan? Menschenfleischgeschmack? Sehr verwirrend. Was steckt dahinter?
Sucht man im Internet nach weiteren Informationen, stößt man auf etliche kreative Überschriften:
„Veganer Burger erhält Preis, weil er wie Menschenfleisch schmecken soll“
„Veganer Burger erhält Auszeichnungen – weil er nach Menschenfleisch schmeckt“
„Veganer Burger wurde ausgezeichnet – weil er nach Menschenfleisch schmeckt“

SWR3 fragt sich übrigens selbst: „Wir fragen uns: Woher wissen die, wie Menschenfleisch schmeckt?“
Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Ich stelle mir das so vor:
„In der Strafanstalt zu Musterstadt kam eine Gruppe Häftlinge zu einer Degustation zusammen. Auf der Speisekarte standen mehrere Hamburger. Darunter einer, der nach Menschenfleisch schmeckt. Die sechs Häftlinge wurden als Experten geladen. Alle haben einschlägige Kannibalismus-Erfahrung, weswegen Sie auch lebenslang einsitzen.“
Das wäre doch ein schöner Artikel geworden. Aber nein. Es geht bei den genannten Überschriften um klickoptimierte Titel. Die Fachfrau spricht auch von Clickbait. Da will man doch wissen, worum es geht. Menschenfleischburger? Igitt?
Der tatsächlich wahre Kerne der Story eignet sich kaum für eine spannende Überschrift. Die müsste nämlich in etwa so lauten:
„Beim Cannes Lions Festival (irgendwelche Werbefuzzies, von denen Sie noch nie gehört haben) hat die schwedische Marke für pflanzliche Lebensmittel Oumph! einen Silbernen Löwen für Markenerfahrung und Aktivierung (Brand Creativity and Effectiveness) gewonnen.“
Aha. So So. Also nicht der Burger als solcher hat einen Preis erhalten, weil er nach Menschenfleisch schmeckt, sondern die Marke Oumph! hat einen Preis wegen einer Werbeaktion erhalten. Was sagt Wikipedia zu dem Festival : „Das Cannes Lions International Festival of Creativity (früher: Cannes Lions International Advertising Festival) ist heute die weltweit bekannteste Veranstaltung der Werbebranche.“
Marketing hin oder her. Wartet die Welt auf Burger mit Menschenfleischgeschmack? Zum Glück nicht. Die Werbeaktion fand zu Halloween 2021 statt. Den Hamburger gab es auch nur an diesem Datum, wenn es ihn überhaupt gab. Die Werbeaktion ist aber real und noch auf Youtube zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=CPdmWTLh45o). Offenbar also alles ein kleiner Spaß. Schwedischer Humor halt.
In jedem Fall wieder einmal ein schönes Beispiel, wie man mit einer Artikelüberschrift den Inhalt des Artikels völlig verdreht oder ihm eine ganz andere Richtung gibt. Der eine oder andere freiberufliche Schreibsklave, redaktionelle Billiglöhner oder auch der fest angestellte Schmierenjournalist freut sich über den Input, dem man nur die Sensationsrichtung geben muss. 100.000 Klicks. Da gibt es Lob vom Chef.
Einigen Artikeln zum Thema merkt man sogar den aufkommenden Zweifel an der Richtigkeit des Inhalts an. Manche Kollegen haben sich immerhin bemüht herauszufinden, wo man den Burger mit Menschenfleischgeschmack kaufen kann. Auf der Webseite des Herstellers ist er nicht gelistet, daher kann man ihn auch nicht kaufen. Schade eigentlich. Die Verkostung im Kannibalen-Knast muss wohl ausfallen. Schone Grüße an Hannibal Lecter.







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