Das SZ-Magazin bietet in der Ausgabe 33/2010 über das Programm Junaio die Möglichkeit Zusatzinhalte abzurufen. Das geht, wenn man ein iPhone oder ein Smartphone auf Android-Basis besitzt. Lesen Sie hier, was man damit machen kann und ob es sich bei dieser Technik um die digitale Zukunft oder einfach nur um Blödsinn handelt.

Im Prinzip geht es ganz einfach: Junaio App installieren (kostenlos), Channel „Süddeutsche Zeitung Magazin“ auswählen und die Smartphone-Kamera auf eine Seite im SZ-Magazin halten, die mit dem Symbol für die Zusatzinhalte markiert ist. Wer sich einen Eindruch davon verschaffen möchte, findet unter „Unser Heft lebt“ ein anschauliches Video.

Das SZ-Magazin experimentiert also mit Augmented Reality. Das ist modern und erweitert unseren Horizont. Wer sich gegen neue Techniken wendet muss vorsichtig sein. Dem Kritiker wird gewöhnlich die erste Eisenbahn (1835, von Nürnberg nach Fürth) vorgehalten. Damals gab es Bedenken wegen möglicher gesundheitlicher Folgen beim Fahren mit so hoher Geschwindigkeit. Alles Blödsinn. German Angst. Heute rasen Züge mit mehr als 300 Km/h durch die Landschaft – und nichts passiert. Außer vielleicht, wenn sich der Zug mal um einen Brückenpfeiler wickelt oder Reisende wegen ausgefallener Klima-Anlagen gekocht werden.

Beim SZ-Magazin bestehen derartige Risiken natürlich nicht. Die Frage ist nur, was der Leser eines Print-Magazins erwartet. Das gedruckte Blatt kostet nur wenige Euro, als Hilfsmittel beim Lesen ist ein Brille akzeptabel, für noch ältere Mitbürger auch eine Lupe. Das man für die Inhalte ein mehrere hundert Euro teures Zusatz-Gerät benötigt, ist dagegen kaum hinzunehmen. Außer vielleicht, wenn die Inhalte so spektakulär sind, dass man nicht darauf verzichten möchte.

„Sie sehen: gedruckte Bilder im SZ-Magazin, die sich bei einem Blick auf das Display ihres Smartphones plötzlich bewegen können“

Sehen wir uns also die Inhalte genauer an: Auf der Titelseite zieht Frau Maischberger die Hände vom Gesicht weg, auf Seite 4 gibt es Sprechblasen zu den Bildern von Lena Meyer-Landrut, dann gibt es noch einen Bauern vor einer Wiese mit Autos, die Auflösung des Kreuzworträtsels und animierte Bilder im Text von Axel Hacke.

Gut, die erste Eisenbahn war auch langsamer als eine Pferdekutsche. Trotzdem gibt es jetzt kaum noch Pferde, dafür aber jede Menge Lokomotiven. Wenn dem SZ-Magazin tatsächlich einmal einfallen sollte, was man mit der neuen Technik sinnvolles anfangen kann, werde ich der erste Jünger der „Erweiterte Wirklichkeit“. Bis dahin genügt mir die einfache Wirklichkeit des gedruckten Wortes.

Eine Antwort zu „SZ-Magazin: Virtuelle Zusatzinhalte per Smartphone abrufen”.

  1. Avatar von Netzjournalist

    Das ist mal wieder so eine Medienspielerei, bei der sich jemand nicht fragt, wo der wirkliche Zusatznutzen ist, sondern wo man nur angeben will. Generell steckt verdammt viel in dieser Technik, aber man sollte sich bitte erstmal klar machen, wofür man’s nutzen will. Übrigens könnte sich auch die Werbung sehr dafür interessieren, so dass sich das Ganze finanzieren lässt.
    Andererseits: Es geht ja nicht darum, sich ein zusätzliches Gerät anzuschaffen, sondern das bereits vorhandene Gerät zu nutzen. Insofern hinkt Dein Vergleich etwas.

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Letzte Kommentare

  1. Avatar von besserwissr

    Es mag sein, dass 4000 Euro für das Coaching okay sind. Die Schuller-Werbung verschleiert allerdings, worum es wirklich geht. Wer…

  2. Avatar von S.K.

    Danke für die gute Zusammenfassung, der wenigen Infos im Netz! Die Faktenlage ist für mich zu konstruiert um Seriosität glaubhaft…

  3. Avatar von Günter Peter
  4. Avatar von Netzjournalist