Google, Facebook & Co – kein Tag vergeht, an dem wir in den Medien nicht über neuen Gefahren für unsere Daten oder die Bedrohung unserer Privatsphäre aufgeklärt werden. Doch was steckt wirklich dahinter? Was weiß Google wirklich über mich? Die PC WELT versucht im Artikel „Akte Google : Das alles weiß Google über Sie“ Licht in das Dunkel zu bringen. Der Artikel enthält allerdings vorwiegend Gemeinplätze und zeugt eher von der Unwissenheit der Autoren, als von deren technischer Kompetenz.

Wenn die Autoren nicht weiter wissen, fragen oder zitieren sie Fachleute. So beispielsweise den Hamburger Justizsenator Dr. Till Steffen – sicher ein ehrenwerte Politiker, aber soweit seine Vita erahnen lässt nicht eben ein ausgezeichneter IT-Experte.

Till Steffen wird so zitiert:

„Google muss sofort offen legen, in welchem Umfang der Konzern auch in Europa und in Deutschland mitliest, wenn wir Freunden E-Mails schreiben oder unsere Bankgeschäfte übers Internet erledigen.“

Dass Google offenlegen muss, welche WLAN-Daten denn nun genau bei den Street View-Fahrten aufgezeichnet wurden, steht außer Frage. Der Absatz enthält aber zugleich demagogische Unterstellungen. Sinngemäß: Google liest meine E-Mails mit und speichert meine Finanztransaktionen. Nur der Umfang ist noch strittig.

Wie viel Text einer gerade abgesandten Mail kann man im vorbeifahren eigentlich abfangen? Geht das auch, wenn mein Webmailer über https kommuniziert? Laufen Online-Bankgeschäfte nicht immer über https? Und zu guter Letzt die Frage: Was ist, wenn mein WLAN per WPA/WPA2 gesichert ist? Diese Fragen lassen sich leicht beantworten. In alle diesen Fällen lässt sich nichts mitlesen. Nur wer ein ungesichertes WLAN betreibt und dann nicht über https kommuniziert, also seine Daten für jedermann lesbar in die die Welt sendet, kann „ausspioniert“ werden. Genauso gut könnte man behaupten, der Marktschreier geht sorglos mit seinen Daten um und lässt alle Welt mithören, wenn er seine Waren anpreist.

Das alles teilt uns die PC WELT nicht mit. Sie nimmt uns nicht an die Hand und erlöst uns von unseren Sorgen, sondern befördert nur die Paranoia.

„Dabei wird gespeichert, was der Benutzer im Internet tut: Wonach er sucht, wo er sich befindet, was er anklickt, was er kauft, welche Fotos er ansieht. Diese Infos werden laufend ergänzt. Daraus kann Google passende Schlüsselwörter generieren und dem Nutzer zielgerichtete Werbung anbieten. Das Unternehmen verdient – etwa mit dem Anzeigensystem Adwords – bei jedem Klick auf eine Anzeige.“

Jedem steht es frei Internetdienste und speziell auch die Google-Dienste zu nutzen -oder es zu lassen. Es sollte aber auch jedem klar sein, das der Betreiber eines Dienstes oder einer Webseite immer genau weiß, wer gerade wohin geklickt hat. Tatsächlich ist es so, dass Google durch die Vielzahl der Dienste eine erhebliche Menge Daten sammeln kann. Präzise muss man aber sagen: Nicht über den Benutzer, der gerade vor dem PC sitzt, sondern nur über den, der gerade den Browser verwendet. Wenn jemand nicht bei Google angemeldet ist und keine Google-Toolbar verwendet, erfährt Google auch nichts. Die Formulierung „was der Benutzer im Internet tut“ ist also schlicht irreführend.

„bei jedem Klick auf eine Anzeige“ ist ebenfalls irreführend oder schlampig formuliert. Google verkauft Anzeigen. Wenn diese erfolgreich sind, also häufig angeklickt werden, schalten die Unternehmen weitere Anzeigen, woran Google dann verdient. Die Anzeigen sind theoretisch dann erfolgreich, wenn Sie zu den Interessen des Browser-Benutzers passen. Am Klick auf eine Anzeige verdient jedoch nicht Google, sonder der Betreiber der Site, auf der die Anzeige erscheint. Also in diesem Fall die PC WELT. Auch in dem hier zitierten Beitrag gibt es Google-Anzeigen. Die PC WELT sollte auf die Anzeigen also besser verzichten, wenn sie das Verfahren für fragwürdig hält.

„Google verknüpft die Internetprofile mit dem entsprechenden PC oder dem Handy. Google weiß also nichts über Erika Mustermann, aber alles über den- oder diejenige, die am PC von Erika Mustermann sitzt. Denn Google legt auf jedem Computer ein so genanntes „Cookie“ ab. Diese unscheinbare kleine Textdatei ist zwei Jahre lang gültig und dient dazu, den PC immer wieder zu identifizieren. Alle Produkte von Google haben das Ziel, diesem Computer aufgrund der festgestellten Nutzung passende Produkte, Suchergebnisse und Werbung zu präsentieren.“

Hier wird wenigstens klar gestellt, das es nicht um ein Individuum, sondern um den PC geht. Noch genauer müsste es heißen: Es geht um den Browser. Denn das „so genannte Cookie“ gilt nur für den gerade verwendeten Browser. Man kann sich ja mehrere davon installieren. Warum eigentlich „so genanntes Cookie“? Wie heißt das denn sonst? Und ist es tatsächlich nur ein Cookie. Hier wollte man den schreck-starren Leser wohl nicht weiter verunsichern. Denn es handelt sich meist um mehrere Cookies die Google ablegt.

Immerhin gibt es danach einige praktische Tipps, wie sich Datensammlung und Cookies verhindern lassen. Auf detaillierte Erklärungen wird jedoch verzichtet. Man wolle den Leser wohl nicht unnötig mit Fakten verwirren. Möglich ist auch, das die Autoren dem Leser dann hätten erklären müssen, warum bei abgeschalteten Cookies die nächste Amazon-Bestellung oder die Auktion bei E-Bay nicht funktioniert hätten.

„Obwohl die Nutzer für Google Mail nichts bezahlen müssen, ist es für den Suchmaschinen-Giganten eine Goldgrube: Kann er doch alle E-Mails […] nach Schlüsselwörtern und Inhalten durchsuchen und den Empfängern passende Werbung ins E-Mail-Fenster einspielen. Klick – und die Kasse klingelt.“

Spätestens hier wäre die Erwähnung praktische Browser-Erweiterungen wie beispielsweise Adblock Plus angebracht gewesen. Klar, wie bei jeder Seite, blendet Google auch bei der Nutzung des Mail-Dienstes auf den Inhalt der Seite bezogene Werbung ein. Den Autoren wollen wir jedoch zu gute halten, das sie hier nicht – wie an anderer Stelle oft zu lesen – sich in Formulierungen wie „Achtung! Google liest Ihre Mail mit“ verstiegen haben. Bei der Erwähnung alternativer Mail-Dienste bleiben die Autoren jedoch wieder weitere Ausführungen schuldig. Sie hätten dann nämlich erwähnen müssen, dass es keinen einzigen kostenlosen E-Mail-Dienst gibt, der sich nicht über Werbung finanziert.

„So schützen Sie sich: Nicht bei Google Latitude anmelden!“

Wenn man mit Banalitäten reich werden kann, dann bin ich bald Millionär:-) Es lassen sich umfangreiche Ratgeber schreiben mit wertvollen Tipps wie „Gehen Sie nicht ins Wasser, wenn Sie Angst vor dem Ertrinken haben“, „Meiden Sie Messer, wenn Sie Schnittwunden befürchten“, „Unterlassen Sie es vor die Tür zu gehen. Hier lauern Gefahren“.

Ich möchte hier nur noch diese Tipps geben: Wenn Sie keine inhaltsbezogene Werbung wünschen, dann zahlen Sie für die Dienste. Oder Sie meiden das Internet. Oder Sie verwenden in Zukunft weder PC noch Smartphone. Schalten Sie einfach mal ab. Oder verwenden Sie einen Ad-Blocker;-)

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Letzte Kommentare

  1. Avatar von besserwissr

    Es mag sein, dass 4000 Euro für das Coaching okay sind. Die Schuller-Werbung verschleiert allerdings, worum es wirklich geht. Wer…

  2. Avatar von S.K.

    Danke für die gute Zusammenfassung, der wenigen Infos im Netz! Die Faktenlage ist für mich zu konstruiert um Seriosität glaubhaft…

  3. Avatar von Günter Peter
  4. Avatar von Netzjournalist